1678

Am 4. März wird in Venedig der große italienische Komponist Antonio Vivaldi geboren.

In Horstmar ist in diesem Jahr der erste jüdische Bewohner, Heineman Davidts, registriert.

 

 

1816


Das Jahr geht in die Geschichte ein als "das Jahr ohne Sommer".

Bei der ersten preußischen Volkszählung werden in Horstmar 21 Juden, 932 Katholiken und 1 Protestant gezählt.

 

 

1843

Der Dichter, Friedrich Hölderlin, stirbt am 7. Juni in Tübingen.

Die Kasse der jüdischen Gemeinde Horstmars ist leer; es ist kein Vermögen vorhanden. Als provisorischer Vorsteher versieht der Metzger Leeser Cohen dieses Amt.

 

 

1845

Richard Wagners Oper "Tannhäuser" wird in Dresden uraufgeführt.

 Der jüdische Friedhof am Stadtwall wird aufgrund zu geringer Distanz zur örtlichen Bebauung geschlossen.

 

 

1849

Papst Pius I wendet sich in einer Enzyklika gegen die Thesen des Sozialismus und Kommunismus.

 Der jüdischen Bevölkerung Horstmars wird am Borghorster Weg/Ecke Bahnhofstr. eine neue Fläche zur Beisetzung ihrer Verstorbenen zugewiesen.

 

 

1852

In Mainz wird das Römisch-Germanische Zentralmuseum gegründet.

Am 23. November heiraten Lisette Leffmann, geb. in Sendenhorst und Josef Eichenwald, geb. in Horstmar.

 

 

1853

Die englische Krankenpflegerin, Florence Nightingale, setzt sich im Krimkrieg für eine bessere Versorgung der verwundeten Soldaten ein.

Leeser Buchheimer, einer der wenigen jüdischen Handwerker in Horstmar, verdient als Buchbindermeister seinen Lebensunterhalt.

 

 

1854

Die Brüder Grimm veröffentlichen ihren ersten Band des Deutschen Wörterbuches.

Levi Eichenwald und sein Zwillingsbruder Isaak, Söhne von Lisette und Josef Eichenwald, kommen am 8. Juli in Horstmar zur Welt.

 

 

1855

In München wird das Bayerische Nationalmuseum gegründet.

Die jüdische Gemeinde Horstmars wird als Untergemeinde der Synagogenhauptgemeinde Burgsteinfurt zugeordnet.

 

 

1858

König Friedrich Wilhelm IV übergibt die Regentschaft von Preußen an seinen Bruder Wilhelm I.

In der Gossenstraße in Horstmar wird vom Maurer Theodor Vossenberg die jüdische Synagoge errichtet.

 

 

1859

 


Bettina von Arnim, geb. 04.04.1785, deutsche Schriftstellerin, Autorin von "Goethes Briefwechsel mit einem Kind", stirbt am 20. Januar in Berlin.

Samuel Eichenwald erblickt in Horstmar das Licht der Welt.

 

 

1863

Die erste U-Bahn der Welt wird in London in Betrieb genommen.

Moises Eichenwald, geb. 22.06.1830 in Horstmar, Sohn von Meijer Eichenwald und seiner Frau Johanna Salomon aus Horstmar, heiratet am 1. Juni 1863 in Eibergen/NL Willemina Mogendorff, geb. 27.02.1836 in Rijssen/NL. Sie gründen damit den holländischen Zweig der Familie Eichenwald aus Horstmar. Weit über 30 ihrer Kinder, Schwiegerkinder und Enkelkinder fallen dem Nazi-Terror zum Opfer.

 

1897

In Basel findet der erste Zionistenkongreß - auf Veranlassung und Einladung des jüdischen Journalisten Theodor Herzl - statt.

Am 16. Januar kommt in Amsterdam Mozez Franken zur Welt. Er ist der Sohn von Roosje Eichenwald und Simon Franken. Seine Eltern werden beide im KZ Auschwitz ermordet. Sein Großvater, Moises Eichenwald, (Onkel von Levi Eichenwald), geb. 22.06.1830 in Horstmar, hatte am 01.06.1863 Wilhelmine Mogendorff aus Rijssen/NL geheiratet und sich in Amsterdam als Regenschirmmacher niedergelassen. Das Schicksal von Mozez Franken ist ungewiss.

 

 

1910

In Deganja/Galiläa wird von jüdischen Siedlern aus Osteuropa der erste Kibbuz gegründet.

 

 

1914

Im Sommer 1914 beginnt der I. Weltkrieg, der 17 Millionen Menschen das Leben kostet.

stolpersteine horstmar Aus der jüdischen Gemeinde Horstmars müssen auch Ernst Eichenwald, Moritz Löwenstein und Paul Eichenwald Kriegsdienst leisten. Ernst Eichenwald wird schwer verwundet und mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet.

Ernst Eichenwald 1917    
Ernst Eichenwald - 1917     

Moritz Löwenstein
Moritz Löwenstein, 1. von rechts

Paul Eichenwald
Paul Eichenwald - 1918

 

 

1917

Das internationale Komitee des Roten Kreuzes erhält den Friedens- nobelpreis

- Palästina wird britisches Mandat.

Die jüdische Schule in Horstmar wird nur noch von 9 Kindern besucht. Da der Lehrer Goldberg am 22.09.1917 zum Militärdienst einberufen wird, wird die Schule geschlossen. Alle Kinder müssen von diesem Zeitpunkt an die Volksschule besuchen.

 

 

1923

Durch einen Putsch in München versucht Adolf Hitler an die Macht zu kommen.

stolpersteine horstmar In Horstmar scheint die Welt noch in Ordnung zu sein.

Martha Löwenstein
Martha Löwenstein, hinten, 2 v.li.
Else Löwenstein (Frau von Moritz), hinten 3. v.li.

 

Moritz Löwenstein (links) und seine Frau Else besuchen im August 1923 Moritz Schwester (sitzend) und ihren Mann Isidor Rothschild (rechts). Das abgebildete Foto senden sie als Postkarte an die Eltern in Horstmar.

 

1924

Der aufgrund des Putschversuches inhaftierte Adolf Hitler wird bereits Ende des Jahres aus der Haft in Landsberg/Lech entlassen. Seine Anhängerschaft wächst beträchtlich.

Ruth Steinweg, Tochter von Rosa u. Louis Steinweg, kommt in Horstmar zur Welt.

Geburtsurkunde Ruth Steinweg
Geburtsurkunde Ruth Steinweg

 

 

1933

Hitler erklärt vor dem Reichstag - im Falle eines Krieges - die "Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa";

- Juden dürfen nach 20.00 Uhr nicht mehr die Häuser verlassen;

- Deutsche Soldaten überfallen Polen.

Karl Eichenwald füllt am 12.10.1939 einen Fragebogen für die Versendung von Umzugsgut aus. Als Auswanderungsziel gibt er Chile an;

Levy Cohen, geb. 12.04.1939 in Horstmar, wohnhaft in Hagen, fordert - zwecks Auswanderung - ein Führungszeugnis an;

Ernst Eichenwald erhält von der Amtskasse Horstmar eine Bescheinigung, dass er sämtliche Steuern und Abgaben bezahlt hat;

Ernst Eichenwald flüchtet nach England.

 

 

1935

- Die Aktionen "Juden unerwünscht" verstärken sich;

- "Rassenschande" wird als Strafbestand eingeführt

- Jüdische Kinder dürfen nicht mehr mit "arischen" Kindern spielen;

In Horstmar werden christliche Kinder, die ihren jüdischen Klassenkameraden bei den Hausaufgaben helfen wollen, von Gleichaltrigen bedroht.

 

 

1936

Am 1. August beginn den Olympischen Spiele in Berlin. Die Nazis gaukeln nicht nur den Sportlern, sondern allen Menschen "eine heile Welt" vor. Alle Hinweise, wie z.B. Schilder, die auf antisemitische Tendenzen schließen lassen, werden vorübergehend entfernt.

Rosa und Louis Steinweg, die zwei Jahre in einer ärmlichen Unterkunft in der Überwasserstraße leben mussten, ziehen mit ihren Kindern nach Krefeld.

Am 29. Juni 1936 erhält die Gestapo Essen ein Schreiben, in dem Louis Löwenstein, der Ehemann von Bertha Löwenstein, geb. Eichenwald, aus Horstmar, denunziert wird.

 

 

1938

- Die Juden werden weiter diskriminiert. Ihre Pässe werden mit einem großen "J" gestempelt;

Reisepass Ernst Eichenwald
Reisepass, 1. Seite, von Ernst Eichenwald

 

- Die SA und SS organisieren in der Pogromnacht vom 9. November den Sturum auf jüdische Wohnhäuser und Geschäfte, die Synagogen werden systematisch geplündert und zerstört. Die Menschen werden misshandelt und ermordet. Ca. 25.000 werden in Konzentrationslager verschleppt.

- Jüdische Kinder dürfen keine nichtjüdischen Schulen mehr besuchen.

Die Horstmarer Synagoge wird zerstört, Dachziegeln werden abgenommen und auf die Straße geworfen. Die Scheiben eingeworfen und die Thorarolle entweiht. Die Häuser der jüdischen Familien werden von Nazi-Horden gestürmt, auch Frauen Horstmars beteiligen sich an der Plünderung der jüdischen Haushalte. Die jüdischen Männer werden verhaftet und in die zwei vorhandenen Arrestzellen des sogenannten "Spritzenhauses", das als Gefängnis dient, eingesperrt. Die Frauen und Kinder werden noch in der Pogromnacht aus ihren Häusern und dem Ort gejagt.


"Spritzenhaus"

 

Am 28. Juni verkauft Otto Nathan sein Wohnhaus und das angrenzende unbebaute Grundstück;

Kurt Nathan - Sohn von Fritz Nathan - ist 15 Jahre alt, als er von seinen Eltern nach Holland geschickt wird;

Ernst Eichenwald muss seine Villa in der Stadtstiege und zwei Grundstücke an Horstmarer Bürger verkaufen;

Ernst Eichenwald beginnt damit, die notwendigen Papiere für eine Ausreise aus Deutschland zusammen zu tragen. Das Standesamt Beckum, Geburtsort seiner Frau Grete, schickt ihm eine Heiratsurkunde zu.

 

Erich Weitzenkorn, Chauffeur bei Ernst Eichenwald, erkennt die Gefahr, die den jüdischen Menschen droht und wandert in die USA aus;

Juden dürfen keine PKW's mehr besitzen; Ernst Eichenwald meldet dem Landratsamt in Burgsteinfurt schriftlich, dass er seinen 'Kraftwagen Mercedes V 170 IX' am 6. Dezember verkauft hat.

 

 

1939

- Hitler erklärt vor dem Reichstag - im Falle eines Krieges - die "Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa";

- Juden dürfen nach 20.00 Uhr nicht mehr die Häuser verlassen;

- Deutsche Soldaten überfallen Polen.

Karl Eichenwald füllt am 12.10.1939 einen Fragebogen für die Versendung von Umzugsgut aus. Als Auswanderungsziel gibt er Chile an;

Levy Cohen, geb. 12.04.1939 in Horstmar, wohnhaft in Hagen, fordert - zwecks Auswanderung - ein Führungszeugnis an;

Ernst Eichenwald erhält von der Amtskasse Horstmar eine Bescheinigung, dass er sämtliche Steuern und Abgaben bezahlt hat;

Ernst Eichenwald flüchtet nach England.

 

 

1940

- Juden erhalten keine Kleiderkarten.

- Die militärische Niederlage Frankreichs wird mit dem Deutsch--Französischen Waffenstillstandsvertrag beschlossen.

Die verwitwete Elsa Cohen, geb. Eichenwald, heiratet am 13.12.1940 vor dem Standesamt Essen ihren zweiten Ehemann, Arthur de Vries.

 

 

1941

- Juden werden zur Zwangsarbeit verpflichtet;

- Deutscher Überfall auf die Sowjetunion;

- SS-Gruppenführer Heydrich wird mit der Vernichtung der Juden in West- und Mitteleuropa beauftragt;

- Alle Juden über 6 Jahre müssen den gelben Davidsstern an ihre Kleidung heften, ein weiterer Akt der Demütigung und Diskriminierung;

- Im Herbst erfolgen erste Deportationen in das Ghetto Theresienstadt.

Otto Eichenwald, seine Frau und seine beiden kleinen Kinder werden in das Ghetto Riga deportiert;

Josef Nathan und seine Tochter Ella werden ebenfalls nach Riga deportiert;

Rosa und Louis Steinweg und 7 Kinder werden nach Riga deportiert;

Moritz Löwenstein und seine Tochter Marianne gehören ebenfalls zu den deportierten Menschen, die in das Ghetto Riga kommmen;

Jenny Eichenwald-Löwenberg, ihr Mann Carl und seine beiden Töchter schreiben - bevor sie in das Ghetto Minsk deportiert werden - einen Abschiedsbrief an Ernst Eichenwald, der zu diesem Zeitpunkt bereits in den USA lebt.

 

 

1942

 

- Im Januar findet in Berlin die "Wansee-Konferenz" statt, auf der die "Endlösung der Judenfrage" beraten wird;

- Jüdische Kinder, Frauen und Männer dürfen keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr benutzen;

- Am 22. Juli wird mit der Räumung des Warschauer Ghettos begonnen. Die Menschen werden in das Vernichtungslager Treblinka deportiert;

- Im Juni/Juli entwerfen die Mitglieder der Widerstandsgruppe "Weiße Rose" die ersten vier Flugblätter.

Bernhard Löwenstein wird vom Internierungslager "Camp de Gurs" aus in das KZ Auschwitz gebracht und dort am 2. Oktober ermordet.

 

 

1943

- Goebbels verkündet am 18. Februar im Berliner Sportpalast den "Totalen Krieg";

- Die Geschwister Hans und Sophie Scholl und ihr Freund Christoph Probst, Mitglieder der Widerstandsgruppe "Weiße Rose", werden am 22. Februar 1943 in München-Stadlheim hingerichtet.

Geschwister Scholl und die "Weiße Rose"


 

 

 

 

 

 

Hans Scholl

Sophie Scholl

Christoph Probst

 

Walter Eichenwald wird im Vernichtungslager Sobibor ermordet;


Walter Eichenwald

 

 

1944

- Am 20. Juli scheitert das Attentat auf Hitler.

Moritz Löwenstein wird von Riga aus in das KZ Stutthof gebracht, dort wird er am 30. Dezember 1944 ermordet. Seine Tochter kommt ebenfalls nach Stutthof, sie gilt als verschollen.

 

 

1945

Am 27. Januar befreit die Rote Armee das Vernichtungslager Auschwitz. Zu dieser Zeit sind hier noch 7.600 Menschen inhaftiert.

 

Der 8. Mai 1945:

Der Tag der Befreiung und bedingungslosen Kapitulation!

 


stolperstein Horstmar Familie Steinweg Familie Moritz Löwenstein Familie Nathan Familie Eichenwald Horstmarer Synagoge Familie Joseph Nathan Familie Löwenstein Familie Eichenwald

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