Familie Henny u. Fritz Nathan
Kappenberger Str. 47, heute: Kappenberger Str. 5
Eltern:

 

Fritz Nathan

geb. 06.04.1895 in Horstmar

1939 Flucht nach Holland

1942 Ausreise in die USA

 

Henny Nathan

geb. 11.05.1901

geb. Herz

1939 Flucht nach Holland

1942 Ausreise in die USA

Kinder:

Kurt Nathan

Kurt
geb. 29.04.1923
1938 Flucht nach Holland
1942 Ausreise in die USA

gest. 1964 in den USA

Heinz Nathan Heinz
geb. 05.04.1928
1939 Flucht nach Holland
1942 Ausreise in die USA

Schicksal der Familie Nathan

Fritz Nathan und seine Frau Henny lebten mit ihren Kindern Kurt und Heinz in der Kappenberger Str. Das Gewerbe des Vieh- und Pferdehandels in der Neustr. war auf Otto Nathan und Henny Nathan - der Ehefrau Fritz Nathans - angemeldet. Hier war auch Fritz angestellt.

Heinz und Kurt gingen in Horstmar zur Schule.

Kurt Nathan: 2. Reihe, 4. v.links (weißes Hemd u. Pullunder)

 

Heinz Nathan: 2. Reihe, 7. von rechts;

Edith Eichenwald: 2. Reihe, 3. von rechts.

 

Nach der Beendigung von Kurts Schulzeit trug der sich auch in Horstmar ausbreitende Antisemitismus mit dazu bei, dass Fritz und Henny Nathan den Entschluss fassten, ihrem Sohn in Holland eine Lehrstelle zu besorgen. Kurt lebte hier in einer holländischen Familie.

Heinz verlebte eine glückliche Kindheit, er liebte es, bei seinem Großvater Josef in der Neustraße zu sein. Zu gerne erinnert er sich insbesondere an Peter Honsel, der ihm den Umgang mit Pferden und auch das Reiten beibrachte. Solange es "arischen" Bürgern per Gesetzgebung erlaubt war, arbeitete Peter Honsel im Geschäft von Josef und Otto Nathan.

 

Emma u. Peter Honsel, mit ihren Kindern Caroline, Josef und Eleonore (v.l.n.r.)

 

Hinter dem Elternhaus von Erwin und Helmut Eichenwald in der Königstr., spielte Heinz mit den beiden Eichenwald-Kindern, mit von der Partie war des öfteren der kleine Esel Melchior.

Erwin u. Helmut Eichenwald, Heinz Nathan

(Foto: Juli 1937)

Erste in Erinnerung gebliebene Erfahrungen mit Antisemitismus machte Heinz Nathan auf der Beisetzung seiner Großmutter, die im Jahre 1935 verstarb. Als der kleine Trauerzug durch den Ort zog, wurde der Sarg von einem am Straßenrand stehenden Jugendlichen bespuckt.

In der Pogromnacht wurde das Haus der Fam. Nathan in der Kappenberger Str. ebenfalls vom Nazi-Pöbel heimgesucht. Sogar Jugendliche und Frauen beteiligten sich an den Plünderungen. Fritz Nathan wurde gefangen genommen und eingesperrt. Henny Nathan stand weinend mit ihren Kindern auf der Straße.

Auch fast 70 Jahre nach diesen schändlichen Taten erinnert sich Heinz Nathan sehr genau, dass sogar einer seiner Lehrer an den Verwüstungen seines Elternhauses beteiligt war. Ein weiterer Lehrer, der mit der Aktion der Nazis nichts zu tun hatte, ging zufällig durch die Kappenberger Straße. "Ihm liefen Tränen über das Gesicht, als er mich ansah. Diesen Anblick werde ich nie vergessen" - so die Worte von Heinz Nathan.

Henny Nathan war verzweifelt, sie wusste nicht, wo sie mit ihren Kindern bleiben sollte, sie ging in Richtung Bahnhof, wo sie auf dem Weg dort hin Grete Eichenwald traf, die sich mit ihren Töchtern Edith und Helga, ebenfalls auf den Weg dorthin gemacht hatte. Die beiden Frauen fuhren mit dem erst besten Zug von Horstmar nach Rheine. Dort versteckten sie sich auf dem Bahnsteig, um nicht von anderen Reisenden bemerkt und beschimpft zu werden.

Grete Eichenwald schlug vor, mit dem Taxi nach Datteln zu Jenny Löwenberg, ihrer Schwägerin, zu fahren.. Dort blieben die beiden Frauen mit ihren Kindern jedoch nur eine Nacht, denn auch in Datteln und bei der Fam. Löwenberg hatte der Nazi-Terror in der Progromnacht Spuren hinterlassen.

Nach einem Anruf am nächsten Tag gab der Horstmarer Bürgermeister mit der Aussage: "Wir können euch ja nicht zweimal aus der Stadt werfen" den Frauen die "großzügige" Erlaubnis, nach Horstmar zurückzukehren.

Fritz Nathan war zwischenzeitlich aus dem Gefängnis entlassen worden. Eilig packte die Familie ein paar Habseligkeiten, die nicht zerstört worden waren, zusammen und flüchtete nach Holland. Hier wurde die ganze Familie zunächst inhaftiert. Anschließend lebten sie mit mehreren anderen jüdischen Familien zusammen, die ebenfalls eine Ausreise geplant hatten. So vergingen fast 14 Monate, bis sie endlich 1942 in die USA ausreisen konnten.

Heinz Nathan hielt auch in späteren Jahren Kontakt zu Horstmar und besuchte die Familie Honsel, ehemalige Klassenkameraden, Freunde und Bekannte, die er aus seiner Kindheit in guter Erinnerung hatte.

Heinz Nathan, 1. v. re. im Jahre 1989

 

 

 

 


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