Familie Johanna u. Samuel Eichenwald
Stadt 96 (heute: Königstr. 8, Horstmar)
Eltern:

Samuel Eichenwald

 

Samuel Eichenwald
geb. 19.11.1859 in Horstmar
gest. 14.06.1939 in Almelo/Niederlande

 

 

 

Johanna Eichenwald

geb. Weiss

geb. 12.12.1864 in Bünde

gest. 07.06.1930 in Horstmar

 

 

 

Kiinder:


Karl Eichenwald

 

Karl
geb. 02.09.1893 in Horstmar

deportiert: 27.01.1942 Ghetto Riga

deportiert: KZ Stutthof

deportiert: 16.08.1944 KZ Buchenwald

Todesdatum unbekannt

 

 

Willy

geb. 30.05.1895 in Horstmar

deportiert: ab Westerbork/NL     

in das KZ Auschwitz

Todesdatum: 17. Sept. 1943

 

 

 

Max

geb. 23.10.1898 in Horstmar

deportiert: 04.09.1944 von Westerbork/NL in das Ghetto Theresienstadt

deportiert: 29.09.1944 von Theresienstadt

in das KZ Auschwitz

für tot erklärt

 

Paul

geb. 07.03.1900 in Horstmar

überlebt den Holocaust in Frankreich

gest. 10.09.1955

 

 

 

Amalia, gen. Mally

verh. van Leeuwen

geb. 04.08.1906 in Horstmar

deportiert: 10.09.1943 in das KZ Auschwitz

Todesdatum unbekannt

 

 

Haus Eichenwald, Horstmar

 

Wohnhaus Eichenwald, Königsstraße

(Aufnahme vor 1930)

 

 

Eltern:

 

Karl Eichenwald
geb. 02.09.1893 in Horstmar

deportiert: 27.01.1942 Ghetto Riga

deportiert: KZ Stutthof

deportiert: 16.08.1944 KZ Buchenwald

im KZ Buchenwald ermordet,

Todesdatum unbekannt

 

 

Grete Eichenwald

geb. Selingmann

geb. 02.10.1902 in Legden

deportiert: 27.01.1942 in das Ghetto Riga
und KZ Sutthof

überlebt den Holocaust

Kinder:


Erwin Eichenwald

 

 

 

Erwin
geb. 26.01.1931 in Horstmar

deportiert: 27.01.1942 in das Ghetto Riga

deportiert: 25.07.1944 in das Ghetto Kowno

deportiert: 09.08.1944 in das KZ Stutthof

deportiert: 10.09.1944 in das KZ Auschwitz

im KZ Auschwitz ermordet,

Todesdatum unbekannt


Helmut Eichenwald

 

Helmut
geb. 30.11.1928 in Münster

deportiert: 27.01.1942 in das Ghetto Riga

deportiert: 09.08.1944 in das KZ Stutthof

deportiert: 10.09.1944 in das KZ Auschwitz

im KZ Auschwitz ermordet,

Todesdatum unbekannt

 

Wohnhaus Eichenwald, Königsstraße

- heute -

 

Stolpersteine, Horstmar- Familie Eichenwald

 

Schicksal der Familie Eichenwald

 

Im Jahre 1921 kauften Johanna und Samuel Eichenwald das Haus 'Stadt 96', heute Königstr. 8, von Sally Rose, der mit seiner Frau und seinen 8 Kindern nach Münster zog.

Sie bekamen 4 Söhne und 1 Tochter. Johanna Eichenwald starb 1930 und wurde in Horstmar auf dem Friedhof beigesetzt. Samuel Eichenwald lebte bis 1938 in Horstmar, dann zog er nach Almelo/Holland und lebte dort im Haushalt seiner Tochter Amalia Eichenwald, die mit Simon van Leeuwen verheiratet war. Bereits im Juni 1939 starb auch Samuel Eichenwald. Sein Grab ist auf dem Friedhof in Almelo/NL.

 

 

Nur ein Sohn der Eheleute Eichenwald, Paul Eichenwald, überlebte in Frankreich versteckt den Holocaust.

 

November 1932: Paul Eichenwald und Irma Haas feiern Verlobung

 

Willy Eichenwald und seine beiden Söhne Dieter (18J.) und Klaus (15J.) wurden in Auschwitz vergast. Seite Frau Erna überlebte das KZ Auschwitz, trotz grausamer medizinischer Versuche, die an ihr vorgenommen wurden. Sie emigrierte nach ihrer Befreiiung in die USA.

Erna Eichenwald mit Jennie und Jonathan Eichenwald (Enkelkinder ihres Schwagers Paul Eichenwald) im August 1994 in New York

 

Max Eichenwald, seine beiden Töchter Hannelore (13J.) und Liesel (8J.) verloren ebenfalls im KZ Auschwitz ihr Leben. Die Mutter Anna wurde im KZ Bergen-Belsen ermordet.

Amalia - gen. Mally - wurde im Sept. 1943 im KZ Auschwitz ermordet, ebenso ihr Mann Simon van Leeuwen.

 

 

Im Jahre 1932 hatte Samuel Eichenwald das Haus “Stadt 96" auf seinen Sohn Karl überschrieben, der dort mit seiner Frau Grete, geb. Seligmann, aus Legden, und den beiden Söhnen Helmut (geb. 1928) und Erwin (geb. 1931) lebte.

Karl Eichenwald war Viehhändler und die Bauern in Horstmar bzw. Alst und Leer waren seine Geschäftspartner. Zu einigen Bauern pflegte man auch über das Geschäftliche hinaus private Kontakte. So lud er manche Bauern zum Kaffee trinken zu sich nach Hause ein und anschließend fuhr man mit dem Auto nach Legden - dem Heimatort seiner Frau Grete - um sich dort den Blumenkorso anzusehen.

 

Erwin u. Helmut Eichenwald mit ihrem Freund Heinz Nathan u. dem Esel Melchior

im Juli 1937 im Hof des Hauses Eichenwald

Foto: Heinz Nathan

 

Wie alle anderen jüdischen Wohnhäuser wurde aber auch das Haus von Grete und Karl Eichenwald in der Pogromnacht nicht verschont. Die Haustür wurde mit einer schweren Axt eingeschlagen, die Schränke geplündert und die Fensterscheiben eingeschlagen. Karl Eichenwald wurde verhaftet, seine Frau und seine beiden Söhne aus ihrem Haus vertrieben. Grete Eichenwald versuchte zu Fuß, mit ihren 10- u. 7-jährigen Söhnen nach Legden zu ihrem Elternhaus zu flüchten. Auf dem Rücken hatte sie sich ein Oberbett festgebunden, um gegen die Kälte in der Novembernacht einigermaßen geschützt zu sein. So haben die drei wohl eine Nacht im Graben verbracht. Am anderen Tag, als sie in Richtung Darfeld gingen, hat der damalige Tierarzt Dr. Stegemann, der von seinem Wohnhaus aus die Mutter mit ihren Kindern sah, stillschweigend sein Auto aus der Garage geholt und Mutter und Söhne nach Legden gebracht.

Aber Grete und Karl Eichenwald konnten - wie so wie viele andere Horstmarer Juden - ihrem grausamen Schicksal nicht entkommen. 1939 “verkaufte” Karl Eichenwald sein Haus an die Stadt Horstmar. Die Familie wohnte ab 1939 in Burgsteinfurt. Im Jan. 1942 wurden Karl, Grete und ihre beiden Söhne ab Gelsenkirchen-Dortmund nach Riga deportiert. Karl wurde weiter in das KZ Stutthof und von dort aus im August 1944 in das KZ Buchenwald deportiert.

Von dort schrieb er noch einmal eine Karte an einen Horstmarer Bauern und berichtete, dass er hungern müsse. Die Familie zögerte nicht lange, packte ein Päckchen mit einigen Lebensmitteln und schickte es nach Buchenwald. Am anderen Tag jedoch wurde der Bauer vom Horstmarer Ortsgruppenleiter vorgeladen und wurde auf das Schärfste verwarnt. Man kann davon ausgehen, dass das Päckchen Horstmar nicht verlassen hat, geschweige denn bei Karl Eichenwald angekommen ist.

Erwin musste sich im Juli 1944 von seiner Mutter und seinem Bruder trennen, man deportiert ihn in das KZ Kowno.

Helmut und seine Mutter Grete kamen im August 1944 gemeinsam in das KZ Stutthof, hier trafen sie auch Erwin wieder, der nach knapp 2 Wochen von Kowno aus nach Stutthof geschickt wurde.

Knapp 4 Wochen nach ihrer Ankunft im KZ Stutthof musste sich Grete von ihren beiden Söhnen trennen, sie wurden in das KZ Auschwitz deportiert. Ihre Ankunft im KZ Auschwitz war der 10.09.1944. Wahrscheinlich ist das auch ihr Todestag.

 

Grete Eichenwald überstand - äußerlich - die grausamen Strapazen in Riga und im KZ Stutthof. Sie war die einzige der überlebenden Juden Horstmars, die für kurze Zeit nach Horstmar zurück kehrte. Heimisch konnte sie sich jedoch nicht mehr fühlen, zu stark waren die Erinnerungen an das schreckliche Leid, das hier seinen Anfang genommen hatte.

Grete, die gebürtig aus Legden kam, hatte ihre ganze Familie verloren. Ihr Vater, ihr Bruder und ihre Schwester wurden im Holocaust ermordet; ebenso ihr Mann und ihre beiden Söhne. Sie war alleine! Grete wanderte im Juni 1948 nach Chile aus. Hier war sie bei Frau Davids und deren Söhne Rudolf und Georg herzlich willkommen.

 

Nach einer langen Schiffsreise wird Grete von Rudolf Davids und seiner Mutter in Chile sehr herzlich in Empfang genommen.

 

Die Familien Davids und Eichenwald kannten sich bereits seit langen Jahren. Davids hatten vor dem Krieg in der Kappenberger Str. gewohnt, in dem Haus, das nach ihnen Moritz Löwenstein bezog. Für einige Jahre lebten sie in Burgsteinfurt, bis sie vor den Nazis flüchteten und nach Pitrufquèn/Chile emigrierten. Hier bauten sie sich eine neue Existenz auf. Grete Eichenwald heiratete Rudolf Davids

 

Wohnhaus Grete und Rudolf Davids in Pitrufquèn/Chile

 

Die Schwiegermutter, Emma Davids, geb. Westfeld, starb am 9. August 1955 mit 89 Jahren.

 

Grete, ihr Mann und ihr Schwager lebten von den Erträgen eines Bauernhofes und betrieben Viehhandel. Die Familie Davids war äusserst beliebt in dem kleinen Ort. Grete kümmerte sich insbesondere um die einheimischen Kinder, die oft aus sehr ärmlichen Verhältnissen stammten. Sie holte Kinder, die im gleichen Alter wie ihre Söhne Helmut und Erwin waren, zu sich nach Hause und lud sie zu den Mahlzeiten ein.

 

Grete Eichenwald-Davids mit einheimischen Kindern aus Pitrufquén

 

Rudolf Davids, geb. 27. Oktober 1900, starb am 15. November 1973. Grete lebte fortan alleine mit ihrem Schwager Georg auf dem Bauernhof, bis dieser am 27. Februar 1985 starb. Grete selbst starb am 11. Mai 1986 und wurde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung beigesetzt. Eine Straße in Pitrufquèn erhielt zu Ehren Grete Davids-Eichenwald ihren Namen.

 

Beisetzung Grete Davids-Eichenwalds

 

Das Grab Grete Eichenwald-Davids am Tag der Beisetzung

 

 


stolperstein Horstmar Familie Steinweg Familie Moritz Löwenstein Familie Nathan Familie Eichenwald Horstmarer Synagoge Familie Joseph Nathan Familie Löwenstein Familie Eichenwald

Wohnorte der Familien
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